DUZI 2012 - Wie man deutsche Cons kaputtlabert...

Die DUZI 2012 ist rum, und Internet-Labertaschen und Miesmacher haben es geschafft, die neben der Kulmbacher Figurenbörse älteste deutsche Figurenhobby-Veranstaltung beinahe zu Tode zu quasseln. Ganze 34 Anbieter hatten sich aufraffen können zu kommen, so das die ganze Veranstaltung inklusive des großen Warhammer-Tunieres sehr überschaubar war und auf der untersten Ebene der Halle stattfinden konnte.

Da ich fast nur relativ kurze Kommentare zur DUZI im Web finden konnte, hab ich mir angesichts der diesmal stark geschrumpften Veranstaltung die Mühe gemacht, meine Überlegungen hinsichtlich der DUZI mal in ausführlicher Form zusammenzutragen.

Für den langen Text an dieser Stelle schon mal eine Entschuldigung. Aber im Telegrammstil war das nicht zu machen. Die angesprochenen Themen sind übrigens lose sortiert und folgen keiner bestimmten Reihenfolge.

 

Erwartungshaltung

Was erwartet der Besucher oder der Club von so einer Veranstaltung was sie angeblich nicht (mehr?) leistet ? Das fragt man sich wirklich. Betrachtet man die DUZI, findet man eigentlich sehr wenige Unterschiede zu anderen Veranstaltungen dieser Art.

Die DUZI hat jede Menge Platz für Clubaktivitäten, auch große Nebenräume/Säle die man nutzen konnte und die über die Jahre hinweg auch zur Verfügung standen. Und zwar in deutlich größerem Umfang als bei der CRISIS oder der ACTION (Rheindahlen).

Es waren bisher meist 70-80 Anbieter aus dem Hobby vor Ort und es kann mir doch keiner ernsthaft erzählen, dass das schlecht ist. Die CRISIS in Antwerpen hat derzeit eine Liste von zugegebenermaßen etwa 100 Anbietern, aber sie ist eine internationale Ausstellung, die auch sehr von ihrem Standortvorteil lebt. Die Fähren, die zwischen England und Zeebrügge verkehren, bedeuten nun mal einen leichten und billigen (ca. 75 Pfund inkl. Auto) Zugang für die zahlreichen englische Händler & Hersteller. Trotzdem aber war die Anbieter-Liste in der bisherigen Location - jenem Metropolis in dessen Innerem man lernte ohne Atemluft auszukommen - auch immer deutlich kürzer (2010 : 63).

(Übrigens : Tatsächlich müßte jeder englische Händler nur ziemlich genau 2 Stunden und 10 Minuten Fahrzeit ab Fähre mehr dranhängen, dann könnte der auch nach Wesel oder ins Ruhrgebiet kommen. Warum sie das nicht machen, ist die Frage. Vielleicht ist der deutsche Markt gar nicht so groß und interessant, wie sich mancher das vorstellt...?)

Schauen wir mal, was die vielbesungene Tactica macht. Ich war noch nicht da, ist aber für Februar 2013 eingeplant. Ein Blick auf die Fotos und den Hallenplan des Bürgerhauses aber zeigt erstmal : viel kleiner! In 2011 waren es ganze 19 Händler (DUZI 2011 : 71), in 2012 immerhin aber schon stolze 30 Anbieter. Man überschritt jetzt aktuell die magische Grenze von 1000 Besuchern. So weit, so schön. Gratulation, der Norden hat seinen Wargames-Con, endlich.

Da fragt man sich aber unwillkürlich : woher kommt der ganze Hype der letzten Jahre, warum höre ich ständig von der Tactica wenn die doch im Vergleich mit der DUZI eher sehr überschaubar war? Könnte es sein, das Windmachen (z.B. via "Magabotato") und sich gegenseitiges "die Bälle zuspielen" (im Web) ausreicht, um einen falschen Eindruck zu erzeugen?

Bashing

Manche haben sich satt gesehen an der DUZI. OK, kann passieren, aber dann macht man mal eine Pause und geht erst im Folgejahr wieder hin und freut sich das es die Veranstaltung noch gibt. Ich hab das auch schon gemacht.

Man redet die Sache deshalb aber nicht einfach aus einer momentanen Laune oder einer gerade allgemein verbreiteten Stimmung heraus tot. Mal eben, einfach so. Und das sogar manche Anbieter in diese Kerbe schlagen zeigt eigentlich, wie "professionell" da agiert wird. Echte Unternehmer würden ihren Markt nicht öffentlich schlecht reden, niemals. Die deutsche "Lust" am Untergang zeigt sich da mal wieder sehr deutlich. Ob man am Ende etwas davon hat, wenn die Veranstaltung kaputt geht?

Konsumsattheit : Preise

Seien wir ehrlich. Wenn man Warhammer-Armeeboxen (Preis 80,-) für 50,- anbietet und man die Boxen dann trotzdem mehrmals mitbringen muss bis dann mal der richtige vorbeikommt - und das bei über 100 Warhammer-Spielern im Saal - dann ist schon was im Argen. In meinem Laden wäre ich die alle bis zum Abend losgeworden.

Gut, das "Zeug" mußte jetzt auch endlich mal weg da ich noch ältere Bestände auflöse, Spaß macht sowas dann aber auch nicht unbedingt. Es gibt wirklich Momente, da fragt man sich, ob man dem Kunden noch ein bißchen den Popo tätscheln muss damit der sich endlich wohlfühlt.

Konsumsattheit : PAPPSATT

"Ich finde nix"...Den Satz hab ich noch jedes mal gehört, auch als die Halle mit Anbietern proppevoll war. (Sowas hab ich sogar in meinem Laden gehört, von dem mal ein Alt-Hobbyist sagte "So viele Figuren habe ich noch nie gesehen...")

Wichtig scheint dabei auch immer der prüfenden Seitenblick auf den Händler zu sein um zu sehen ob der das auch ja gehört hat. Hab ich, andere wahrscheinlich auch. Und für Stimmung und Motivation ist sowas jedesmal echt ein Ansporn.

Aber andere haben bei mir was gefunden, denn tatsächlich war jede Menge Zeug da. Die 34 Anbieter zusammen haben trotzdem noch einige tausend verschiedenen Artikel mitgeschleppt, vom Farbdöschen über die Grabbelkiste bis zu stapelweise Bücherkisten und Geländeteilen. Teilweise zu Preisen, die sehr günstig waren.

Wer da nichts findet, hat vielleicht ein ganz anderes Probleme : Kein breites Interessenspektrum. Wenn man sich nur für eine spezielle Sache interessiert, sind nun mal 90% des anderen Zeugs auf einer solchen Veranstaltung natürlich nicht von Interesse. Oder man hat sich schon viel zu sehr auf ganz spezielle Projekte (oder aktuell gehypte Produkte/Themen) versteift, ohne die anderen Möglichkeiten überhaupt noch zu sehen oder die spontane Mitnahme noch zu erlauben. Das Hobby ist ein weites Feld. Wer da nicht ausgiebig grast, ist selbst schuld.

Eintritt zu hoch?

Ganze 6,- Euro Eintritt scheinen einigen schon zu viel zu sein, wie man im Netz lesen konnte. Das ist wirklich seltsam. Wer dieses doch relativ teure Hobby hat und dann dafür, dass eine solche Veranstaltung möglich gemacht werden kann, die paar verdammten Kröten nicht übrig hat, sollte sich einfach mal an den Kopf packen. Die Wargamer-bzw. Figuren-Community sinkt bei solchen Beschwerden in meinen Augen unter das Niveau jedes Kaninchenzüchtervereins.

Die Spiel/Schautische...

...fehlten, werden aber üblicherweise von Clubs und den Spielern/Bastlern gemacht. Das ist auf jeder Wargaming/Spiele-Konvention so. Oder ist das irgendwo anders? Wenn also keine Spieltische da waren, ist das auch ein Versagen der Hobbyisten, nicht des Veranstalters. Welchen mangelnden Support seitens des Veranstalters manche beklagen, bleibt mir übrigens leider  ein Mysterium, ich lasse mich aber gerne aufklären.

(Die Crisis wird übrigens von einem Club veranstaltet, hat da also einen Vorteil, weil dessen zahlreiche Mitglieder sich natürlich entsprechend engagieren...)

Ausnahme : Wargaming-Club Niederrhein. Wirklich lobenswert! Leider nur für einen Tag, schade. Am Sonntag waren einige Väter mit ihren Söhnen da (typisch Sonntag), die hätten sicher Spaß an Eurer Platte gehabt, doch es ging wohl aus organisatorischen Gründen nicht. Aber wenigsten hat jemand die Fahne hochgehalten!

Mangelnde Werbung

Ist ein Problem, stimmt. Wenn man aber mal eine Rundfrage startet, wo und wie man für die DUZI hätte werben sollen, wird es sehr schnell sehr dünn. Für Zinnfiguren, Wargaming & Co. gibts nämlich nur sehr wenige Werbe-Möglichkeiten. Vorschläge werden sicher gerne angenommen.

Website

Im Zusammenhang mit der Werbung steht natürlich auch die Website der Veranstaltung. Die muss (und wird übrigens) überberarbeitet werden. Trotzdem wollen wir mal genauer hinschauen, weil auch immer wieder gerne darauf verwiesen wird.

Sehen wir uns also mal die Seite der TACTICA zum Vergleich an, finden wir eine Frames-Seite (eine eher "antike" Web-Technik), die uns verrät, das etwas über 70.400 Besucher die Eingangsseite angesehen haben und das wohl seit 2008, denn seitdem scheint es die Seite und den Zähler darauf zu geben. Drückt man Refresh, ist es wieder einer mehr.

Wer sich ein bißchen auskennt und auch schon mal Server-Logfiles gesehen hat, weiß spätestens jetzt, dass das eigentlich sehr wenige Besucher sind, denn tagtäglich bekommt man immer Besuche von Irrläufern, die da gar nicht hinwollten. (Und aus anderen, technischen Gründen.)

Rechnerisch komme ich so bei der TACTICA-Website auf etwas um die 40 "Besucher" pro Tag in den ca. 4,5 Jahren die die Seite online ist. (archive.org scannt sie seit 2008, es kann auch länger sein) Im Web hat man üblicherweise  eine sog. "Konversionsrate" von 1-5%, dass bedeutet in unserem Beispiel bei 5% ganze 2 von 40 Besuchern pro Tag, die wirklich am richtigen Platz gelandet sind, in unserem Fall : Wargamer oder sowas sind und sich evtl. für die Tactica interessieren könnten. Lassen wir es 10% sein - was wirklich viel wäre - dann sind es 4 Besucher pro Tag. (Wieviele von denen zu weit weg wohnen, kann sich jeder selbst ausrechnen.)

Nur mal so zum spaßigen Vergleich : Ich habe mal nachgesehen und gefunden dass meine eigene recht unscheinbare Shopseite alleine in diesem Jahr - und es ist ja noch nicht um - bereits mehr Besucher als die TACTICA-Seite seit 2008 hatte.

Wir lernen : Webseiten werden tatsächlich weniger "gesehen", als wir alle uns das so vorstellen. Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Internetseiten nämlich in Wirklichkeit nur Tropfen in einem endlosen Ozean.

Das die Veranstalter der DUZI tatsächlich nicht gerade Internet-affin sind, ist allerdings wahr. Aber sie haben  vor einigen Jahren angefangen, alles ändern zu lassen, wurden von dem damit beauftragten "Spezialisten" aber - wie das oft passiert - im Regen stehen gelassen.

Wir haben übrigens damals (2009?) abends beim gemeinsamen Händler-Abendessen noch zusammengesessen und uns darüber unterhalten. Die Web-Überarbeitung durch einen neuen Mitarbeiter wurde angekündigt und ich war aus Erfahrung skeptisch. Leider hab ich da immer recht. Immer wenn ich das höre und sehe : "Hier, der junge Mann (alternativ : Sohn,Tochter, Nachbar, Kumpel, usw.), der wird das machen, der kann das..." wird mir ein bißchen schwindelig. Wenn mal endlich jemand einsehen würde, das das ernsthafte "Arbeit" ist, für die man Durchhaltevermögen braucht und es so einfach nun doch nicht ist...

Allerdings stehen die DUZI-Veranstalter - auch typisch deutsch - ein bißchen vor einer Forderung, der sich andere wohl so nicht stellen mussten. Ich habe mir gerade mal die alte Seite der CRISIS aus "Internet-Archiv" (archive.org) geholt. Da war doch was, das kenne ich doch noch.... ach ja, von 2003 bis 2011 auch ne ziemliche - sagen wir mal - "Gurke". Und die neue Seite ist auch noch nicht so ganz "durchgereift". Und dabei hat der Club dort über hundert Leute - da schlagen sich unsere beiden Einzelkämpfer von Excalibur eigentlich ziemlich tapfer.

Aber, wie gesagt, bei der DUZI-Website wird es Änderungen geben, darüber wurde schon gesprochen. Wer allerdings glaubt, das da dann feste "gebloggt" wird, folgt schon wieder einer falschen Fährte, denn kein Veranstalter hat ständig was zu erzählen. Das macht übrigens auch keiner der anderen.

Die angeblich vielfältige Kritik

Die suche ich noch. Angeblich soll es sowas gegeben haben, aber in den Foren findet man einfach nichts richtiges. Einigen Wind, aber keine konstruktiven Vorschläge. Wenn wirklich irgendjemand irgendwann irgendetwas besser gewusst hätte, müsste das doch irgendwo auch mal zur Sprache gekommen sein. Die Tippen doch sonst alle so gerne...

(Ok, die Musik war wirklich meistens unpassend oder antiquiert, vor allem dieses Jahr. Da sind wir uns alle einig.)

Der Wettbewerb

Zugegeben, dazu kann ich wenig sagen, ich bin kein Kampfbemaler. Ich wage aber zu bezweifeln, das die Kritik an den Bewertungen wirklich so sehr berechtigt ist. Leider gibt es keine Meßverfahren für Geschmack oder Malqualitäten und persönliche Vorlieben lassen sich auch nie ganz ausblenden. Bewertungen sind also immer zu einem guten Teil subjektiv. Wer glaubt, dass die Film-Oscars objektiv vergeben werden, darf sich mal schnell von seinen Illusionen verabschieden.

Übrigens : Ist doch ne tolle Trophäe! (tatsächlich vergoldet) Haben andere sowas? Ich hab zufällig die Preis-Plaketten bzw. "Pokale" von einem anderen großen Wettbewerb im Netz gesehen. Welcher das war, weiß ich jetzt nicht mehr. Sorry, für sowas würde ich keinen Pinsel anfassen, geschweige denn tagelang herumwerkeln...

Wer da aber was zu kritisieren hat, darf - denke ich - das auch äußern, aber bitte in sachlicher Weise. Nur sagen, dass die Bewertung nicht richtig war, ohne das dann konkretisieren zu können, beweist nur, das man manches eben nicht messen kann. An solcher (Un-) Sachlichkeit und Stänkerlust gingen Bemaler-Foren wie "MaxPaint" dann ja wohl auch ein.

Mein Tipp an alle Wettbewerbsmaler : Alles nicht so ernst nehmen. Soooo wichtig ist das Ganze auch nicht.

FAZIT:

Für eine regionale Veranstaltung, die ohne den Support aus dem "Himmel für Wargamer" (England) leben und als etablierte Traditionsveranstaltung auch ohne Hype auskommen muss, war ein bisheriger Schnitt von rund 70-80 Anbietern bei der DUZI eigentlich verdammt gut.

Ob das noch irgendjemand wahrnehmen wollte, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Die Realität wird ja scheinbar nur noch von Forums-Wichtigmachern und Bloggern gemacht. Es ist ja so einfach, die eigene Unzufriedenheit mal eben in drei Zeilen zu packen und "der Welt" um die Ohren zu hauen - auch ohne genaueres Nachdenken.

Für mich bleibt : Ich werde wieder zur DUZI gehen. Als Händler kann ich den Umsatz gebrauchen, als Hobbyist kaufe ich dort gerne ein, stöbere gerne herum und hab auch sonst Spaß an der Sache. Für mich bleibt die DUZI daher auch immer ein Hobby-Wochenende. Die Ein-Tages-Lösung fürs nächste Jahr finde ich nicht so prickelnd.

Der Veranstalter weiß, dass er was machen muss und es wird sich sicher einiges ändern, wenn auch nicht alles, denn vieles ist auch ok. Die Händler und Hersteller haben es am schwersten, sie wissen wie immer nicht, in welche Richtung sie gehen sollen, alle sind falsch. Scharf kalkulieren, Standgröße und Präsentation überdenken, Sortimentsänderungen... wer weiß was hilft?

Wo Clubs und Besucher sich sehen, kann ich nur spekulieren. Aber das von da auch immer was kommen muss und nicht nur "Rückläufigkeit" demonstriert werden darf, dürfte klar sein.

Eines muss aber klar sein : Zuhause bleiben hilft nicht!







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