Zinnfigurenbörse Kulmbach 2013 - Teil 1 - Die Börse

Seit ich vor vielen Jahren von der Kulmbacher Zinnfigurenbörse gehört habe, wollte ich immer mal dahin. Nun ist Kulmbach von hier aus (Niederrhein) nicht gerade um die Ecke und mit der Bahn auch nur schwer zu erreichen, deshalb wurde daraus nie was.

Diesmal war es aber soweit. Die "Action" (Mönchengladbach) fand dieses Jahr nicht mehr statt, die "DUZI" (Wesel) fällt bekanntermaßen aus und ist eventuell ebenfalls Geschichte. "Salute" (London) und "Tactica" (Hamburg) haben wir aus Kostengründen und Bequemlichkeit bisher immer sausen lassen. Aber, "Spektakel müssen sein". Was macht man da? Man rafft sich endlich auf. Immerhin ist das ja mit einer absehbaren Autofahrt zu bewältigen.

Bei der Vorbereitung fällt erstmal etwas auf : man findet wenig Infos zu Veranstaltung. Das Ding lebt fast ohne besondere Internet-Berichterstattung. Keine der üblichen Bildergalerien, keine Ausstellerverzeichnisse. Kein Tamtam. Und da viele der Anbieter auch keine nennenswerten Internetseiten haben, auch kaum Infos. Das ist schon etwas seltsam, zeigt aber, das das Leben außerhalb des Internets weitergeht, was ja mancher nicht mehr glauben will.

Kulmbach

Nach etwa 5 Stunden Autobahnfahrt angekommen in Kulmbach zeigt sich die Stadt als Mischung aus malerischer Altstadt mit Burg auf dem Hügel, umgeben von einem leider nicht ganz ins schöne Bild passenden Gewerbe-Gürtel. Wie leider bei den meisten Städten heutzutage. Das Ganze aber malerisch zwischen grünen Hügeln gelegen, vergleichsweise ruhig und beschaulich. (allerdings wars ja Wochenende). Obwohl uns vorher gesagt wurde, das man dort nicht mal ein mehr ein Zimmer bekäme und man zwei Jahre in Voraus buchen müsste, erwies sich die Zimmerbuchung in einer Pension etwas außerhalb des Ortes eine Woche vorher als unproblematisch und die Stadt nicht gerade als überfüllt. Wir hatten mit Menschenansturm und Parkplatzproblemen gerechnet. Aber das war nicht der Fall, alles sehr entspannt. (Bernd, mach nicht immer so ne Panik!)

Die Börse findet mitten in der Altstadt statt, auf dem sog. "Zentralparkplatz". Bei der Veranstaltungshalle handelt es sich um ein Festzelt (sog. Bierstadel), das dort vorher immer für das Kulmbacher Bierfest benutzt wird und praktischerweise zur Weiterbenutzung durch die Zinfigurenbörse einfach länger stehen gelassen wird. Ziemlich nett von der Stadt Kulmbach.

Und schlau, möchte man denken. Da dadurch nur wenig Kosten entstehen dürften aber gleich noch einmal eine ganze Menge Besucher in die Stadt kommen. Denn die Aussteller selbst sind ja auch Besucher und müssen ja ebenfalls alle irgendwelche Zimmer buchen, die Börse geht schließlich von Freitag bis Sonntag. Rund 200 Aussteller, viele mit mehreren Personen vor Ort, und eine gute Anzahl an Börsen-Besuchern und Wettbewerbsteilnehmern dürften für die Gastronomie und das Hotelgewerbe des kleinen Ortes und der Umgebung schon ins Gewicht fallen.

Die Kulmbacher Stadtoberen sind da also offensichtlich schlauer als z.B. der Bürgermeister von Wesel. Aber dort hat man ja das "Busenwunder" Dolly Buster als Einwohnerin, und die wird sicher bald zum Weltkulturerbe erklärt. Jeder wie er kann. Kultur ist ja, wenn man trotzdem lacht. Hauptsache man hat ne eigene Internetseite zum "Stadt-Marketing". Wie komm ich bloss immer von "Wesel" auf "Esel"? Ich weiß es nicht.

Und wer das jetzt nicht versteht: Die DUZI war unsere lokale Figurenbörse am Niederrhein, die immerhin 30 Jahre lang besteht (oder bestand) und von der Stadt Wesel, in der sie seit 10 Jahren stattfand, in keinster Weise unterstützt wurde. Vielleicht lag es am Namen der Veranstaltung ?

 Die Börse

Im Börsenzelt selbst gab es tatsächlich nicht mal Eintrittskarten zu kaufen, denn jeder Besucher darf durch die zahlreichen Eingänge kostenlos rein und raus wie man will. Das ist ja mal ne Abwechslung. Das Festzelt präsentierte sich rappelvoll, scheinbar war kein Stand unbesetzt geblieben. Auch hier kann man (witzigerweise wie bei der DUZI) noch die floralen Dekorationen der vorherigen Veranstaltung sehen. Alle Gänge sind sehr schmal gehalten, so das wirklich sehr viele Aussteller untergebracht werden konnten. Am Samstag, unserem Ankunftstag, war die Halle recht voll, aber wie uns auffiel, war das kein Problem, Gerangel gab es nicht. Außerdem konnte man ja an verschiedenen Stellen aus dem Zelt raus und woanders wieder reingehen, so das man sich, sobald man sich etwas orientiert hatte, beim gezielten Ansteuern eines Standes nicht unbedingt hätte durchdrängen müssen. Eine sehr angenehme Einrichtung. Außerdem sorgten die Öffnungen für ausreichend  Luft. Am jenem Samstag war es sehr warm und das war in dem Zelt natürlich auch zu spüren, doch wegen der vielen offenen Türen kein ernsthaftes Problem.



  Insgesamt war zu beobachten, das man viel zusammen stand, es wurde viel gequatscht und sich ausgetauscht. Der Börsianer in Kulmbach ist eher ein ruhiger Zeitgenosse. Das kann damit zu tun haben, das sich das Publikum vornehmlich aus den älteren und mittelalten Semestern zusammen setzte und relativ wenige "junge" Leute anwesend waren. Nicht das deren Anwesenheit negativ wäre, im Gegenteil. Aber es war trotzdem auch mal angenehm, dass man endlich mal niemanden von der Schwarzhemd-Fraktion sah. Das kann einem nämlich auf den Wecker gehen. Wer das ist? Nun, jene Fantasy/SciFi-Fans eben, die glauben dem Fantasy-Wargaming-Hobby nur frönen zu können, wenn sie immer und jederzeit ein T-Shirt mit einem  Drachen oder dem Namen/Logo einer Metal-Band tragen. Und zwar alle, jeder, ausnahmslos. Wenn Sie nicht wissen, was damit gemeint ist, besuchen Sie mal die Spiel-Messe in Essen (es lohnt sich sowieso) und gehen Sie dort mal in die Halle Nr. 6. Da sehen sie dann den "Ground Zero" der Fantasy-Szene in Deutschland.

Welcome to Flatland

Kulmbach ist - historisch bedingt - eine Börse für die klassischen Flachfiguren. Schließlich existiert die Veranstaltung praktisch seit 1937 obwohl sie erst seit 1953 regelmäßig stattfindet. Mittlerweile bekommt man zwar auch in Kulmbach viele, vor allem größere, plastische Figuren, Schwerpunkt ist aber immer noch die Flachfigur.

Man findet diese in fast allen Ausprägungen, die zahlreichen Anbieter haben grosse Auswahlen vor Ort und Schubladenschränke voller Figuren dabei. Schwerpunkt ist natürlich der historisch-militärische Aspekt in allen Epochen (30mm ist die vorherrschende Größe), man findet aber auch viele zivile Darstellungen, große Einzelfiguren, Märchen- oder Weihnachtsdarstellungen, Sagengestalten, Götter, Tiere, usw. Sogar komplexe Fensterbilder waren zu bewundern, bei denen man sich allerdings wirklich fragt wie die gegossen werden - aber wahrscheinlich wird da auch schon mal was gelötet. Insofern waren auch reichlich Themen und Produkte vorhanden, die - ich sag das mal so platt - auch Frauen interessieren. Was unsere Frauen natürlich gefreut hat, denn die waren mit von der Partie und von dem bunten Angebot begeistert.



Durch diese thematische Mischung macht der Flachfiguren-Bereich und die ganze Veranstaltung einen wesentlich zivileren und entspannteren Eindruck als vergleichbare Wargaming-Veranstaltungen. Familiengerecht möchte man sagen. Hier stehen die Zinnfiguren- und Bemalkunst und auch die Erzählkunst der Bilder und Dioramen im Vordergrund, nicht so sehr die militärischen Aspekte.

Das Spiel mit Figuren rückt hier ganz in den Hintergrund und überlässt der Aufstellung/Darstellung das Feld. So ist es auch kein Wunder, dass von den bekannten Anbietern aus dem Wargames-Bereich bis auf zwei Ausnahmen eigentlich keiner da war. Die Firma "Mirliton" aus Italien hatte einen Teil ihreres Fantasy-Sortimentes und ihrer sehr schönen mittelalterlichen Figuren mitgebracht. Es bleibt zu hoffen das sich für Mirliton die Anreise auch gelohnt hat. Das gleiche gilt für die Umtriebigen von Worean, die man beinahe auf jeder Veranstaltung sieht (immer erkennbar an den gelben T-Shirts), denn ich glaube die Wargamer haben hier nur wenig  zu gewinnen.



Für mich, der ich derzeit auf dem Vintage-Wargaming-Trip bin, d.h. mich vornehmlich mit sog. Toy-Soldiers ( "alte Spielfiguren" bzw. "Bleifiguren") beschäftige, gabs zum Glück ebenfalls einiges abzustauben. Dieser relativ kleine Bereich gilt ja neben den Flachfiguren ebenfalls als Sammelgebiet. Ich konnte einen ganzen Stapel Bücher über dieses Sammelgebiet abstauben und damit einige Positionen von meiner Suchliste löschen.

 

Reingefallen

Bei einer so schönen und gelungenen Veranstaltung will man ja nichts sagen, aber ein Reinfall muss natürlich sein. Immer, leider. Meiner war diesmal der Kauf einer "Schneider"-Form (offensichtlich eine Replik) für 15,- Euro. Der Händler, eigentlich eine Firma aus dem Flachfigurenbereich, hatte eine ganze Kiste mit etwa 8-10 unterschiedlichen Formen, alle mehrfach vorhanden. In jeder steckte ein paar damit gegossene Figuren drin, jede Form war mit den Innenseiten nach außen in ein Tütchen eingepackt und mit einem Gummi zusammengebunden. Ich dachte : "Wie nett, mit den Figuren drin kann jeder sehen wie die Gießergebnisse aussehen. Gute Idee..."

Doch ich hätte besser aufpassen sollen. Zwar war mir bei dem ersten Exemplar der von mir angepeilten Form schon ein Produktionsfehler aufgefallen und ich hatte das Stück weggelegt und ein neues genommen, doch dieses dann nur noch oberflächlich betrachtet. Die eingelegten Figuren verdeckten außerdem in dem Fall den Fehler, den ich deshalb erst zuhause entdeckte. Und zwar den gleichen Gußfehler, den ich bei dem ersten Exemplar der Form gesehen hatte.  Weil die Figuren diesmal in der anderen Formenhälfte steckten konnte ich das nicht sehen. Das war natürlich eine Überraschung, mit sowas rechnet man nicht.

In Anbetracht der Gleichheit der von mit beobachteten Produktionsfehler und der Tatsache, das von jeder Form mehrere Exemplare da waren und auch noch Figuren eingelegt wurden, die die Fehler verdecken können, ist eigentlich klar, dass da jemand wissentlich Ausschussware verkaufte und das so gut wie möglich tarnen wollte. Interessanterweise wurde das Ganze noch begleitet von dem Sprüchlein : "Das verkaufen wir nur in Kommission. Das stammt aus einer Sammlungsauflösung...". Was bei der Vielzahl gleicher Formen, die keine Anzeichen von Benutzung zeigten, natürlich eine offensichtliche Lüge war.

Hier wurde also betrogen. Und es besteht die Gefahr, das diese Kiste auch beim nächsten mal wieder dort auftaucht, denn im Internet bzw. Versandhandel läßt sich sowas aufgrund des Rückgaberechtes ja nicht mehr verkaufen..

Bei einer renommierten Veranstaltung wie dieser hätte ich das nun wirklich nicht erwartet. Die Firma werde ich hier aus rechtlichen Gründen natürlich nicht namentlich nennen. Sollte aber die Börsenleitung/Plassenburg offiziell nachfragen, kann sie die Information gerne haben.

Wir lernen : Augen auf beim Börsenkauf!

Auf Börsen landet auch schon mal der "Rest vom Schützenfest". Und weil auf allen Börsen immer mal Händler dabei sein könnten, die buchstäblich alles verkloppen, sollte man jedes Teil immer so lange und genau betrachten, bis man sich sicher ist, das es wirklich in Ordnung ist. Und Händler sollten aufhören sich zu fragen, warum die Kundschaft immer so zögerlich und vorsichtig ist. Das hat nicht immer nur mit Geld und Kopfrechnen zu tun.

 





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